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2006

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Vier "Verrückte" und ein gemeinsames Ziel

Mindener Tageblatt vom 17. Mai 2006
17. Mai 2006
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Torwart-Trainer Martin Kussmann will drei verletzte Keeper wieder in Top-Form bringen / "Wir geben richtig Gas"


Bei den Silvesterturnieren Ende des vergangenen Jahres passierte das Unfassbare. In nur zwei Tagen rissen sich drei Torhüter aus der heimischen Handball-Szene das Kreuzband. Mittlerweile geben sie mit Torwart-Trainer Martin Kussmann "wieder richtig Gas".
Von Stefan Rüter

Der Blick fixiert den Ball, der Oberkörper dreht sich und der Schweiß auf der Stirn nimmt fast sekündlich zu.

Es ist mal wieder so weit. Torwart-Trainer Martin Kussmann hat zum Training gebeten. Seit Mitte April sind drei Torhüter nicht mehr aus seinen drei Trainingseinheiten pro Woche wegzudenken. Sebastian Hanf (Lit Nordhemmern/Mindenerwald, Regionalliga), Dennis Bekemeier (Eintracht Oberlübbe, Oberliga) und Jan-Christoph Niemeyer (TV Hille, Verbandsliga) waren die drei Pechvögel, die sich kurz vor Silvester die unter Handballern gefürchtete Knieverletzung zuzogen.

"Es ist natürlich ein Vorteil, wenn man zwei Leidensgenossen dabei hat. Vor allem haben wir viel Spaß", freut sich Sebastian Hanf über die Gesellschaft seiner Torwart-Kollegen. "Es ist nicht schön, dass sich drei Torhüter so schwer verletzt haben. Aber es ist schön, dass wir drei zusammen trainieren. Wir haben viel Freude und gute Stimmung", freut sich Bekemeier über das gemeinsame Training.

Die Keeper haben zwar bei jedem Training viel Spaß, aber es geht gleichzeitig auch ernst zur Sache. "Die Jungs sind bisher schon weitergekommen als ich dachte. Wir geben richtig Gas", berichtet Trainer Martin Kussmann von den Einheiten.

"Dafür habe ich doch einen Taschenrechner"

Für die erste Zeit stehen vor allem Koordinations-, Technik, Gewandtheits- und Bewegungsübungen auf einem Programm. Und mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen verrät "Kussi": "Ich bin ein Freund von Mischübungen." Und das lässt er seine Jungs auch spüren.

Auf einer Matte legen sich die Torhüter auf den Rücken. Kussmann stellt sich auf der Kopfseite des Torhüters auf. Von dort aus lässt er immer wieder einen Ball fallen, den die Keeper dann zurückspielen müssen. Aber das reicht Kussi nicht aus. "Jetzt in Achter-Schritten von hundert rückwärts zählen", ruft der engagierte Torwart-Fachmann, der früher selbst in der Regionalliga spielte. Der Blick der Torhüter ist auf den Ball fixiert, aber sie müssen sich auch auf das Zählen konzentrieren. Missmutig sagt Jan-Christoph Niermeyer: "Mensch "Kussi", dafür habe ich doch einen Taschenrechner auf der Arbeit." Mal wieder lachen die vier Trainingspartner. Aber der Coach lässt nicht locker. "Jani" muss noch einmal von vorne anfangen. Denn in einem sind sich alle einig: "Von nix kommt nix. Und außerdem muss man als Torwart auch immer ein bisschen verrückt sein." Beim Anspruchsgrad der Übungen hält Kussmann immer Absprache mit Dennis Finke und Marc Raulwing, den behandelnden Physiotherapeuten.

"Die drei Jungs sind alle mit viel Biss dabei. Das ist eine absolute Grundvoraussetzung", freut sich Kussmann über seine hochmotivierten Torhüter.

Aber die Begeisterung ist auf beiden Seiten vorhanden. "Das Repertoire von "Kussi" ist unerschöpflich", ist Bekemeier beeindruckt. "Wir machen hier Sachen, die ich überhaupt noch nicht kannte. Ich werde besser sein als vor der Verletzung", ist auch Niermeyer von den Trainingsmethoden angetan.

Nur eines hat "Kussi" noch nicht in seinem Programm: Die "Todeshacke" von Oberlübbes Torwart-Legende "Dixi" Krüger. Davon sprechen die drei Verletzten immer wieder. "Wie Dixi die Bälle mit der Hacke hält ist unglaublich. Das würden wir auch alle gern können", schüttelt Hanf ungläubig den Kopf. "Das kann nur Dixi. Das habe ich nicht in meinem Programm", gibt "Kussi" ehrlich zu.

Aber dann geht es auch schnell mit der nächsten Übung weiter. Der Atem der Torhüter wird wieder schwerer und auch die Schweißperlen werden wieder größer. Aber die vier "Verrückten" haben ein gemeinsam Ziel vor Augen: Sie wollen wieder eine Rolle spielen in den heimischen Handball-Hallen und ein echter Rückhalt für ihre Mannschaften sein.