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2011

[presse]

Kussi im Interview in der Handball-Woche

vom 08.03.2011
8. März 2011
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Der Polizist, dem die Torhüter vertrauen
 

Kommunikation ist wichtig

Er spricht ihre Sprache und kennt alle Facetten des Torwart-Spiels: Martin Kussmann betreut mehrere Torhüter aus der Handball-Bundesliga. In einem exklusiven Interview mit HW-Mitarbeiter Mathias Deppisch erklärt der 49-jährige, wie er zum Privatcoach für ambitionierte Torhüter wurde.

Herr Kussmann, welchem Verein drücken Sie normalerweise die Daumen?

Kussmann: Ich komme aus der Handballhochburg Minden-Lübbecke und stehe von daher GWD Minden, dem TuS N-Lübbecke und LIT Nordhemmern schon sehr nah. Aber wichtig für mich ist, dass meine Torhüter mich an einem Sonntagabend anrufen und mir erzählen, dass sie gut gehalten haben. 

Was sind das für Torhüter? 

Kussmann: Ich bin bei keinem Verein angestellt, sondern trainiere auf privater Basis Torhüter aus der 1., 2. und 3. Liga. Hinzu kommen noch einige talentierte Jugendtorwarte aus dem Kreis Minden-Lübbecke. Das ganze erfolgt natürlich nur nach Absprache mit den Verantwortlichen der jeweiligen Vereine. 

Einem Ihrer Klienten wurde jüngst eine besondere Ehre zuteil: Martin Ziemer von der HBW Balingen-Weilstetten hat es erstmals ins erweiterte Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft geschafft. 

Kussmann: Ich freue mich sehr, dass Martin Ziemer berufen wurde. Mit ihm verbinden mich eine mehrjährige Zusammenarbeit und ein sehr intensives Verhältnis. Das ist eine tolle Sache für ihn, aber sicher auch das Produkt harter Arbeit, die Martin in seinen Sport investiert. Als „Ziemi“ noch bei der HSG Ahlen-Hamm gespielt hat, ist er 130 Kilometer gefahren, um bei mir Zusatzeinheiten zu absolvieren. 

Auch Nils Dresrüsse, aktueller Junioren-Nationaltorwart, trainiert bei Ihnen. Ihn zieht es von GWD Minden zum TBV Lemgo. Wie sehen Sie seine Entwicklung? 

„Nils Dresrüsse ist einer der talentiertesten Torwarte in Deutschland“

Kussmann: Nils halte ich für einen der talentiertesten Torwarte in Deutschland, er wird seinen Weg machen. Ich spreche sehr viel mit ihm, wobei Kommunikation generell ein wichtiger Aspekt bei meiner Arbeit ist. Auf Nachfrage bin ich gerne bereit, Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven einzelner Torwarte aufzuzeigen. Aber was Vereinswechsel betrifft, halte ich mich eher raus. Das ist Sache der Spieler und deren Berater. 

Dario Quenstedt vom SC Magdeburg und Konstantin Madert von GWD Minden sind junge Torhüter, die ihr Können eindrucksvoll in der 1. und 3. Liga unter Beweise gestellt haben. Wie sehen sie Ihren Perspektiven? 

Kussmann: Ich arbeite seit etwa einem Jahr mit den beiden zusammen. Beide haben eine fundierte Grundausbildung in ihren Vereinen genossen und trainieren bei mir zielstrebig auf hohem Niveau. Bei so jungen Sportlern lege ich besonderen Wert auf deren mentale Stärke. Die erbrachten Leistungen im Wettkampf sprechen für sich, so dass beide auch im Fokus anderer Vereine stehen. 

Was ist das Besonders bei Ihrem Training? 

Kussmann: Wichtig für die Keeper ist es, dass sie Trainingserfolge auch mit in den Wettkampf nehmen können. Ich liefere den roten Faden, der es den Torhütern ermöglicht, sich selbst zu überprüfen und zu kontrollieren. Das klappt bei den meisten sehr gut. 

Und was machen Sie inhaltlich anders als andere Torwarttrainer? 

Kussmann: Das weiß ich so genau nicht, da ich über die Abreit von anderen zu wenig weiß. Ich versuche ein vielseitiges und gut strukturiertes Training anzubieten. Den Großteil meiner Übungen habe ich selbst kreiert. Am Anfang können die meisten Torhüter meine Übungen kaum umsetzen, aber das wird mit der Zeit besser. Mit klaren Kommandos lege ich während aller Übungen den Schwerpunkt auf eine saubere, zweckmäßige und zeitgemäße Technik als Grundlage des Torwartspiels. Darüber hinaus biete ich den Torwarten neben Life-Kinetik ein selbst erarbeitetes Konzentrationstraining. 

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Sie sich auf Torhüter spezialisiert haben? 

Kussmann: Bis 2003 war ich als Mannschaftstrainer in der Verbandsliga beschäftigt. Danach kam mir die Idee, nur noch Torhüter zu trainieren. Zunächst habe ich von der 1. Liga bis zur Kreisklasse viele Gespräche mit Torhütern geführt. Die einhellige Meinung war, dass sie sich im normalen Mannschaftstraining nicht genügend gefördert fühlten. Diesem Umstand wollte ich entgegentreten und habe meine Dienste angeboten. Anfangs musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten. Wenn Torhüter Interesse signalisiert haben, waren deren Trainer anfangs nicht so begeistert, da sie das Erfordernis eines Individualtrainings nicht wahrgenommen haben. 

Ist das immer noch so? 

Kussmann: Nein, denn im Endeffekt profitieren ja alle Beteiligten. Und ich muss mit meinem Angebot auch nicht mehr hausieren gehen. Mittlerweile bekomme ich viele Anrufe von Torhütern, die bei mir trainieren wollen oder Trainern, die Hilfestellungen beim Umgang mit ihren Keepern möchten. Aber neben meinem Beruf als Polizeibeamter kann ich nur eine begrenzte Anzahl parallel coachen, sonst kann ich meinem Anspruch auf individuelle Betreuung nicht nachkommen. 

Waren Sie selbst eigentlich auch mal Torwart? 

Kussmann: Klar, ich stehe seit meinem 6. Lebensjahr in der Hütte, bin auch noch Linkshänder (!) und habe alle Höhen und Tiefen in einem Torwartleben miterlebt. Ich habe lange bei GWD Minden das Tor gehütet. Aber in die erste Liga habe ich es nie geschafft. Wer weiß: Vielleicht hätte das mit einem guten Torwarttrainer ja geklappt… 

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Zu Kussmanns ehemaligen und aktuellen Klienten gehören: 

Martin Ziemer (HBW Balingen-Weilstetten), Tomáš Mrkva (HSG Ahlen-Hamm), Dario Quentstedt (SC Magdeburg), Nils Dresrüsse, Konstantin Madert (beide GWD Minden), Oliver Mayer (TV Korschenbroich), Björn Buhrmester (HSG Nordhorn-Lingen), Björn Gerling und Kai Bierbaum (LIT Nordhemmern) 

Stimmen: 

Martin Ziemer (HBW Balingen-Weilstetten): 

„‚Kussi‘ ist der erste Torwarttrainer, mit dem ich systematisch arbeite. Sein Training verbindet alle Elemente, die ich für den Wettkampf brauche: Kraft, Technik, Taktik und Konzentration. Ob Training oder Wettkampf – ich vergegenwärtige mir seine Tipps ständig.“ 

Kay Rothenpieler (Trainer HSG Ahlen- Hamm): 

„Ich hatte überhaupt kein Problem damit, dass Martin Ziemer noch woanders trainiert hat. Im Gegenteil: Wenn einzelne Spieler besser werden, profitieren wir als Mannschaft davon. Zu Martin Ziemers sehr guten Entwicklung hat Martin Kussmann einiges beigetragen. Im normalen Mannschaftstraining kommen die Torhüter in der Tat oft zu kurz. Wenn man selbst nie im Tor stand, ist es schwierig, auf Topniveau Torhütern etwas beizubringen. Man hat zwar vielleicht das theoretische Wissen, mehr aber auch nicht.“ 

Oliver Mayer (TV Korschenbroich) 

„Bei uns im Verein gibt es keinen separaten Torwart-Trainer. Das ist sicher auch eine Frage des Budgets. An freien Tagen fahre ich nach Minden und trainiere mit Kussi. Er achtet auf Kleinigkeiten und korrigiert selbst den kleinsten Fehler im Bewegungsablauf. Viele der Torwarttrainer, die ich bislang hatte, haben dafür überhaupt kein Auge. Ich lerne wirklich bei jeder Einheit etwas.“ 

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